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Verein SiM

Der Verein Selbst- und Interessensvertretung zum Maßnahmenvollzug (SiM) setzt sich für die Stärkung der im österreichischen Maßnahmenvollzug untergebrachten Personen ein. „Wir unterstützen die Resozialisierung Untergebrachter aktiv mit hohem Einsatz und durchwegs guten Erfolg“, heißt es seitens des Vereins. Man sehe darin „einen wichtigen Beitrag zum Opferschutz.“ 

Der Verein schließt eine wichtige Lücke, da im Maßnahmenvollzug untergebrachte Personen zuvor keine Vertretung hatten und somit keine Möglichkeiten besaßen, sich gegen Willkür und Repressionen effektiv zur Wehr zu setzen. „Mangelhafte Gutachten und überlange Verfahrensdauern führen oft zu unverhältnismäßig langen Anhaltezeiten, die weit über das Strafmaß hinausreichen“, betont man bei SiM. Unterstützung und Beratung erhalten im Maßnahmenvollzug untergebrachte Menschen nun zum Beispiel bei den Themen Rechtsbeistand, Besuchsdienste, persönliche Betreuung, Hilfe bei der Haftentlassung sowie bei finanziellen Angelegenheiten. „Durch unsere Hilfe werden Untergebrachte menschenwürdiger behandelt und sie erhalten einen besseren Zugang zum Rechtssystem. Wir stellen für viele ehemalige Untergebrachte auch ein funktionierendes Sozialnetz dar, das im Bedarfsfall oft auf persönlicher Ebene helfen kann“, betont man bei SiM. Eine Unterstützung, die für eine gelungene Resozialisierung von besonderer Bedeutung ist.

Gleichzeitig ist der Verein Anlauf- und Beratungsstelle für Angehörige und Freunde von Untergebrachten sowie für Personen, die aus dem Maßnahmenvollzug entlassen wurden. Daneben setzt sich der Verein für die Schaffung von Bewusstsein zum Thema Freiheitsentzug ein. Für sein Engagement wurde SiM 2017 mit der Sozialmarie ausgezeichnet. In der Jurybegründung hieß es: "Ehemalige Untergebrachte haben ihr Versprechen wahrgemacht und die erste justizunabhängige Anlaufstelle geschaffen, die die Interessen der (Ex-)Untergebrachten vertritt. SiM vernetzt schnell und gut, gibt ganz konkret Hoffnung und klärt auf. Denn was 1975 mit 'Therapie statt Strafe' fortschrittlich begann, wurde seit den 1990er Jahren zu inadäquater Versorgung psychisch kranker Häftlinge, die eigentlich ins Gesundheitssystem gehörten. Gleichzeitig steigen Einweisungen und Haftdauer. Eine Reform tut mehr als not. SiM zeigt, dass Untergebrachte resozialisierungsfähig sind. Und wie!"

Im Rahmen des Vereins wird auch das 2015 mit dem Claus Gatterer-Preis ausgezeichnete Magazin Blickpunkte herausgegeben, das seit zwanzig Jahren in der Justizanstalt Wien-Mittersteig von Insassen produziert wird. Im Zentrum der Berichterstattung stehen Artikel, Essays und Geschichten direkt aus dem Gefängnis.


Buchtipp: 
Maßnahmenvollzug – Menschenrechte weggesperrt und zwangsbehandelt
(im November 2016 erschienen im Mandelbaum Verlag)