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Neubauschafft

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Das Projekt Neubauschafft im Porträt:

"Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden."

Asylberechtigten und Asylwerbern eine Möglichkeit der Beschäftigung geben und ihnen gleichzeitig dabei helfen, den österreichischen Arbeitsmarkt kennenzulernen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern: Mit dieser Zielsetzung hat die Unternehmerin Margit Johannik aus Wien-Neubau das Projekt Neubauschafft entwickelt. „Unsere Gesellschaft ist sehr schnell damit, auf geflüchtete Menschen zu schimpfen, die Sozialleistungen bekommen. Aber wir unterstützten auch nicht gerade jene von ihnen, die willig sind, mit ihrer Hände Kraft und mit ihren Ideen etwas zu unserer Gesellschaft beizutragen“, sagt Johannik. Dieses Potenzial will Johannik mit ihrem Projekt veranschaulichen und damit gleichzeitig nach Österreich geflüchtete Menschen davor bewahren, dass sie mangels Beschäftigung in Frust und Lethargie verfallen.

 
2016 nahm sich Johannik ein Jahr Sabbatical, um in der temporären Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Kurier-Gebäude in der Lindengasse mitzuarbeiten. Dort kam sie mit Menschen aus den verschiedensten Ländern in Kontakt, die in Österreich um Asyl ansuchten. Einige von ihnen mussten sehr lange auf die weiteren Schritte in ihrem Asylverfahren warten. So entstand die Idee zum Projekt Neubauschafft

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In ihrem Geschäftslokal in der Kirchengasse hatte Johannik mit freiwilligen HelferInnen schon im Jahr 2015 pro Tag bis zu 400 Mahlzeiten für die am Hauptbahnhof gestrandeten Flüchtlinge zubereitet. Im Zuge der Entwicklung des Projekts Neubauschafft wandelte sich die Thermomix-Küche im hinteren Bereich ihres Geschäfts in eine Manufaktur für regionale Spezialitäten. Mit AsylwerberInnen verarbeitete Johannik zum Beispiel Früchte und Gemüse zu Marmeladen und Chutneys. Die Rohstoffe finden die TeilnehmerInnen dabei auch in der Umgebung von Wien. „Es gibt viele Produkte, die für viele ÖsterreicherInnen nicht mehr attraktiv sind. Einer unserer Teilnehmer hat zum Beispiel stundenlang Brombeeren und Nüsse gesammelt, die wir weiterverarbeitet haben. Dadurch lernen letzten Endes auch wir wieder zu schätzen, was bei uns vor der eigenen Haustür wächst.“


Die Produkte verkaufen die Produzenten seither auf Pop-up-Märkten und im Geschäft der Projektinitiatorin. Mit den Erlösen werden die laufenden Projektkosten gedeckt, langfristig sollen sich Projekt-TeilnehmerInnen damit Weiterbildungskurse finanzieren können. Auch neben dem finanziellen Aspekt profitieren die TeilnehmerInnen: „Hier bei uns ist Deutsch Pflicht, auch untereinander“, erzählt Margit Johannik. „Die Verkaufsgespräche mit Kundinnen und Kunden sind eine gute Gelegenheit, die in den Kursen erlernten Deutschkenntnisse im praktischen Alltag anzuwenden. Immerhin müssen sie die Produktion erklären, KundInnen überzeugen und etwas über sich selbst erzählen können“, so Johannik.


Der Startschuss für Neubauschafft erfolgte in der ersten Hälfte des Jahres 2017, der Herbstflohmarkt in der Neubaugasse war die erste größere Veranstaltung, auf der die Projekt-TeilnehmerInnen ihre Feuerprobe zu bestehen hatten.  Offenbar mit Erfolg, denn die Organisatoren von Edelstoff luden Neubauschafft ein, mit einem eigenen Stand im Rahmen des Wiener Designmarktes Anfang Dezember 2017 vertreten zu sein. Dort werden selbstgemachte Vanillekipferl, Linzer Augen und andere Weihnachtsbäckereien feilgeboten. Auch hier wird auf eine professionelle Vorgangsweise geachtet. „Wir legen uns selbst die Latte bewusst hoch, alle Kipferl müssen zum Beispiel dasselbe Gewicht und dieselbe Form haben. Schließlich wollen wir uns einen guten Ruf erarbeiten“, sagt Johannik.

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Mit Neubauschafft ist Margit Johannik Mitglied im Netzwerk Zivilgesellschaft geworden, weil der hier gebotene Austausch eine gute Möglichkeit darstellt, „von anderen Projekten zu lernen. Schließlich muss das Rad nicht bei jeder Organisation neu erfunden werden. Außerdem“, so Johannik, „erhält man im Netzwerk Zivilgesellschaft gutes Feedback von vielen unterschiedlichen Menschen. Und auch wenn ich nicht immer mit ihnen einer Meinung bin, so ist es jedoch genau die Art von Feedback, die einen selbst und sein Projekt weiterbringt.“

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